Putting-Übungen und gezieltes Training
Das Putten macht rund 40 Prozent aller Schläge einer typischen Runde aus. Wer auf dem Grün verliert, verliert die Runde — das war schon immer so, und die Zahlen auf dem Scorecard bestätigen es jedes Mal. Trotzdem verbringen die meisten Amateure den Großteil ihrer Übungszeit auf der Driving Range und üben das Putten allenfalls zehn Minuten vor dem Start. Wer seinen Handicap nachhaltig senken will, muss das umkehren.
Das Tempoputten: Grundlage aller Kontrolle
Bevor man über Linienführung nachdenkt, muss das Tempo stimmen. Ein Putt, der 60 Zentimeter am Loch vorbeischießt, ist genau so verloren wie einer, der aufhört zu rollen, bevor er die Mitte erreicht. Die klassische Übung dafür ist die Uhr: Man legt neun Bälle in einem Kreis um das Loch, jeweils in einem Abstand von 90 Zentimetern, und puttet sie der Reihe nach ein. Klingt simpel — ist es nicht. Wer alle neun hintereinander trifft, ohne einen einzigen zu verfehlen, hat tatsächlich ein solides Kurzputt-Fundament.
Für das mittellange Tempo empfiehlt sich die Schienen-Übung: zwei Schläger parallel auf dem Grün legen, mit einem Abstand, der gerade so breit ist wie der Putter-Kopf. Wer durch diese Gasse puttet, ohne die Schläger zu berühren, hat eine gerade Putterbahn. Wenn der Putter hineinzwickt, ist der Anstellfehler sichtbar.
Die Distanzkontrolle: Drillarbeit jenseits der Kurzputts
Lange Putts — alles über sechs Meter — werden selten eingelocht, aber sie können sehr wohl drei Putts produzieren. Das Ziel ist, den ersten Putt auf einen Radius von neunzig Zentimetern ums Loch zu bringen. Dafür eignet sich die Todeszone-Übung: Man sucht sich ein langes Grün und platziert Bälle auf drei, sechs, neun und zwölf Metern. Der Putter muss jeden Ball so nah ans Loch rollen, dass der Rückputt problemlos ist. Das Feedback ist sofort — Bälle, die weit überschießen oder weit darunterbleiben, zeigen genau, wo das Tempo versagt.
Eine Ergänzung dazu ist der Eimer-Drill: Man legt einen Plastikkorb oder einen umgekehrten Eimerdeckel auf das Grün, ohne Loch. Ziel ist es, alle Bälle im Umkreis des imaginären Lochs zu stoppen. Diese Übung trainiert das Auge für die Rollweite unabhängig vom Einlochen.
Lesetraining: Die Linie sehen, nicht raten
Die Linie lesen ist kein Talent, sondern eine Fertigkeit, die man trainiert. Viele Spieler stehen zu nah am Ball und sehen die Neigung des Grüns nicht. Ein einfacher Drill: Man geht sechs Meter hinter den Ball, kniet nieder und analysiert die Neigung zwischen Ball und Loch. Dann positioniert man sich hinter dem Loch und schaut zurück. Beide Perspektiven zusammen ergeben ein klareres Bild als nur eine davon.
Um die Fähigkeit zu schärfen, den Break korrekt einzuschätzen, bietet sich die Würfelmethode an: Man legt drei bis vier Bälle auf unterschiedlichen Linien um ein Loch herum, puttet jeden und notiert — oder beobachtet —, wie weit und in welche Richtung er abweicht. Nach einigen Hundert solcher Putts entwickelt man ein Gefühl dafür, wie viel Grün man spielen muss.
Der Gate-Drill: Geradeaus puttend Selbstvertrauen aufbauen
Zwei Tees im Boden, so weit auseinander, dass der Putter-Kopf knapp dazwischen passt — das ist der Gate-Drill. Auf einem Meter Entfernung zum Loch platziert, zwingt dieses Tor zu einer absolut geraden Putterbahn. Wer die Tees berührt, weiß sofort, ob der Putter von innen nach außen oder von außen nach innen tritt. Tiger Woods hat diese Übung in seiner Blütezeit täglich absolviert; sie ist simpel und sie funktioniert.
Der Gate-Drill auf größere Distanzen — anderthalb bis zwei Meter — ist noch anspruchsvoller. Auf dieser Entfernung verzeiht das Grün sehr wenig, und ein Putter, der konsequent durch das Tor gleitet, ist ein Putter, dem man vertrauen kann. Wer im Training auf der interaktiven Karte Golfplätze in seiner Nähe sucht, findet oft Übungsgrüns, die für diese Art von Drillarbeit besonders geeignet sind.
Routine und Wiederholung: Das Unterbewusstsein trainieren
Putting ist zu einem erheblichen Teil mentales Handwerk. Ein Spieler, der keine konsistente Vorbereitungsroutine hat, puttet jedes Mal anders — und das Gehirn liebt Muster. Eine gute Routine dauert zwischen zwanzig und dreißig Sekunden: Linie lesen, hinter den Ball treten, Putter-Kopf an den Ball führen, zwei Probeschwünge zur Seite, ausrichten, los.
Diese Routine muss im Training genauso ausgeführt werden wie auf dem Platz. Wer auf dem Übungsgrün einfach Ball nach Ball puttet, ohne die Routine einzuhalten, trainiert Unaufmerksamkeit. Wer jede Übungssequenz mit derselben Sorgfalt ausführt wie einen Putt auf 18, trainiert Zuverlässigkeit.
Druckübungen: Wettbewerb simulieren
Nerven beim Putten entstehen nicht im Training — sie entstehen, wenn etwas auf dem Spiel steht. Deswegen muss man im Training Druck simulieren. Eine effektive Methode: Man setzt sich ein Ziel (alle neun Bälle im Kreis einlochen) und bestraft das Verfehlen (zehn Kniebeugen oder der Drill beginnt von vorne). Der Körper lernt so, auch unter leichtem Stressniveau ruhig zu bleiben.
Eine andere Druckvariante ist das Spiel gegen sich selbst: Man spielt neun Löcher auf dem Übungsgrün mit je einem Putt-Versuch, zählt die gemachten Putts und versucht, beim nächsten Mal das Ergebnis zu übertreffen. Dieses Spielformat erzeugt sofort Wettbewerb und macht das Training deutlich lebendiger als endloses mechanisches Schlagen.
Auf dem Grün: Was echter Fortschritt aussieht
Fortschritt beim Putten ist langsam und zeigt sich selten in einem einzigen Trainingstag. Was sich aber messbar verändert, ist die Dreiputt-Frequenz: Ein Spieler, der konsequent sechs Wochen lang täglich zwanzig Minuten auf dem Übungsgrün arbeitet, reduziert typischerweise seine Dreiputts pro Runde um einen bis zwei. Das klingt nach wenig — bedeutet aber auf dem Scorecard eine bis zwei Schläge, was wiederum eine merkliche Handicap-Bewegung nach sich zieht.
Wer auf Reisen Golf plant und neue Grüns kennenlernen möchte, findet auf der interaktiven Karte Plätze auf der ganzen Welt. Jedes neue Grün ist eine Übungsmöglichkeit für das Lesen unbekannter Neigungen und Geschwindigkeiten — und genau das ist die beste Prüfung für alles, was man im Training erarbeitet hat.