The Open Championship
Von den vier Majors ist die Open Championship das älteste. Sie begann 1860 in Prestwick, Schottland, als acht Berufsgolfer um einen Ledergürtel kämpften — und ist seither ununterbrochen ausgetragen worden, abgesehen von den Jahren der beiden Weltkriege. Wer die Open gewinnt, hält den Claret Jug, eine silberne Kanne, auf der die Namen aller Sieger graviert sind. Es gibt keinen Pokal im Sport mit einer dichtgravierteren Geschichte.
Die Entstehung und frühen Jahre
Die Open entstand aus einer lokalen Angelegenheit des Prestwick Golf Club. Mitglieder des Clubs, frustriert vom Fehlen eines offiziellen Meistertitels im Profigolf, organisierten das erste Turnier für acht Spieler, die alle vom Prestwick Club stammten oder dort angestellt waren. Tom Morris senior gewann die ersten beiden Ausgaben; sein Sohn Young Tom Morris gewann viermal in Folge (1868–1872) und bekam den Original-Gürtel dauerhaft — weil er ihn dreimal hintereinander gewonnen hatte, gehörte er ihm. Ein neuer Pokal wurde geschaffen: der Claret Jug, erstmals 1873 vergeben.
In den ersten Jahrzehnten war die Open ein schottisches und britisches Ereignis. Amerikanische Spieler kamen erstmals zu Beginn des 20. Jahrhunderts regelmäßig herüber, und Walter Hagen gewann 1922 in Sandwich als einer der ersten amerikanischen Champions. Seither ist die Teilnehmerliste international — heute spielen die besten Profis der Welt dort, unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zur PGA Tour oder LIV Golf.
Die Links-Rota
Die Open Championship wird ausschließlich auf Links-Plätzen gespielt. 'Links' bezeichnet ursprünglich das Küstengelände zwischen Meer und Inland — offen, sandig, ohne Bäume, oft von Dünengräsern und Gorse-Sträuchern durchzogen. Links-Golf ist keine stilistische Entscheidung, sondern eine historische Notwendigkeit: Golf entstand auf solchem Gelände, und die Open ehrt diese Herkunft.
Die aktuelle Rota umfasst folgende Plätze:
St Andrews Old Course (Fife, Schottland) ist der häufigste Austragungsort, mit 30 Open-Ausgaben. Der breite, flache Kurs mit seinen doppelten Grüns und berühmten Bunkern ist der symbolische Mittelpunkt des Spiels.
Carnoustie (Angus, Schottland) gilt als einer der härtesten Links-Kurse überhaupt. Der 18. Loch verläuft über den Barry Burn, der zweimal die Linie kreuzt. Jean van de Velde spielte 1999 eine der berühmtesten Katastrophenschlussrunden der Major-Geschichte: Mit drei Schlägen Vorsprung auf dem 18. Abschlag spielte er einen Triple-Bogey und verlor ein Stechen.
Muirfield (East Lothian, Schottland) ist der Platz des Honourable Company of Edinburgh Golfers, des ältesten organisierten Golfclubs der Welt. Nick Faldo gewann hier zweimal (1987, 1992). Der Platz ist bekannt für seinen exzellenten Zustand und seine direkte, wenn auch herausfordernde Natur.
Royal Troon (South Ayrshire, Schottland) hat zwei Löcher von globaler Bekanntheit: das 8. Loch, das Postage Stamp, ein Par 3 von nur 123 Yards — das kürzeste Loch auf einer Open-Rota — und die langen, windigen Auswärtslöcher, die am Ärmelkanal entlangführen.
Royal Birkdale (Southport, England) ist das bevorzugte Venue für die englischen Open-Austragungen. Sein Gelände mit tiefen Dünen und schmalen Fairwaytälern erzwingt Präzision vom Abschlag. Phil Mickelson gewann hier 2006.
Royal St George's (Sandwich, Kent, England) liegt an der Küste von Kent und war 2021 Schauplatz von Collin Morikawas Debüt-Major-Sieg bei der Open. Der 4. Loch, ein Par 3, hat einen Bunker mitten im Grün — eine in der Major-Welt einzigartige Eigenheit.
The Royal Liverpool (Hoylake, Merseyside, England), bekannt als Hoylake, kehrte 2006 nach 39-jähriger Pause zur Rota zurück. Tiger Woods gewann mit einem kontrollierten, strategischen Spiel, das auf Fahrwehler verzichtete — das weiche, brachliegende Gras ermöglichte Rolls auf dem Fairway, die er ausnutzte.
Royal Portrush (Nordirland) kehrte 2019 nach 68-jähriger Abwesenheit zurück. Shane Lowry gewann unter dramatischen Regenbedingungen in der Schlussrunde mit einer 72 bei Windstärken, die andere Spieler in die oberen 80er drückten.
Was Links-Golf anders macht
Wer nur auf Parkland-Plätzen gespielt hat, erlebt auf einem Links-Platz eine grundlegende Neukalibrierung. Der Wind ist hier kein Störfaktor, sondern ein Spieler. Windschatten gibt es kaum, die Böen kommen von wechselnden Richtungen, und ein 7-Eisen kann je nach Wind eine Schlagweite von 150 oder 200 Yards haben.
Der Boden ist ein weiteres taktisches Element. Links-Fairways sind oft fest und schnell — der Ball rollt weit, was aus einem gut gespielten Drive mit Rückenwind eine Distanz machen kann, die auf Parkland-Kursen unmöglich wäre. Aber derselbe harte Boden macht das Stoppen eines angreifenden Schlags auf dem Grün zu einer komplexen Aufgabe: Der Ball kann nicht einfach aus der Luft geworfen und gestoppt werden, sondern muss auf dem richtigen Winkel einlaufen.
Die Pot-Bunker sind eine weitere Eigenheit. Auf Parkland-Kursen sind Bunker oft flach und ermöglichen ein relativ normales Austreten. Auf Links-Plätzen können Pot-Bunker tief genug sein, dass ein Spieler keinen direkten Blick zum Grün hat und rückwärts schlagen muss. Im Road Bunker des 17. Lochs in St Andrews haben professionelle Spieler gelegentlich zwei oder mehr Versuche benötigt, um herauszukommen.
Der Claret Jug und was er repräsentiert
Der Claret Jug ist mehr als ein Pokal. Er ist ein Chronologieobjekt: Auf seiner Oberfläche sind die Namen aller Sieger seit 1872 graviert. Wer den Jug hält, hält etwas, das Harry Vardon, Bobby Jones, Ben Hogan, Tom Watson und Tiger Woods gehalten haben. Die historische Kontinuität des Objekts macht es zu einem der bedeutungsvollsten Auszeichnungen im Sport.
Auf der interaktiven Karte lassen sich alle Plätze der Open-Rota und hunderte weitere Links-Kurse in Großbritannien und Irland finden und für eine Golfreise planen.
Wetter als dritter Spieler
Die Open Championship findet im Juli statt, aber britisches Sommerwetter gibt keine Garantien. Regen, Wind und plötzliche Temperaturschwankungen sind keine Ausnahme, sondern Erwartung. Diese Bedingungen tragen zum Charakter des Turniers bei: Der Sieger muss nicht nur gut spielen, sondern auch mit dem Unvorhersehbaren umgehen können. Das ist der alte schottische Golfgedanke: Das Wetter gehört zum Spiel. Man kämpft nicht gegen es, man spielt darin.